Wie funktioniert das eigentlich mit dem korrekten Gendern?

Ein Beitrag von

Ihre Stadtverordnete für die Ausschüsse Bildung und Schulbau sowie Diversität, Zusammenhalt, Beteiligung und Europa

„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ – Heraklit von Ephesus, 535-475 v. Chr.

Uns ist es als Fraktion wichtig, mit der Zeit zu gehen. Deswegen ist es für uns auch selbstverständlich zu gendern. Bei der Umsetzung – gerade bei unserer öffentlichen, schriftlichen Kommunikation – stellen wir uns aber immer wieder die Frage, wie wir korrekt und einheitlich gendern können und sollten:

Sollten wir am besten das * (Sternchen), den : (Doppelpunkt), geschlechtsneutrale Umschreibungen oder das generische Maskulinum – also die männlichen Varianten der Wörter – nehmen? Oder doch eher die weiblichen und männlichen Formen komplett ausschreiben?

Warum sollten wir gendern?

Die deutsche Sprache ist im ständigen Wandel. Wir sprechen heute anders als beispielsweise noch vor 50 Jahren. Wir müssen unter anderem hinnehmen, dass der Dativ den Genitiv verdrängt. Wie heißt es so schön: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod?“ Diesen Prozess können wir nicht aufhalten, auch wenn wir weiterhin bewusst versuchen, den Genitiv im Alltag einzusetzen. Ein gutes Beispiel für Veränderung von Sprache ist jedoch geschlechtergerechte Sprache. Das Bewusstsein für ihre Notwendigkeit ist zum Glück gewachsen. Mit Hilfe dieser Veränderung können wir alle bewirken, dass Sprache nicht diskriminiert und sich alle in der deutschen Sprache vertreten sehen und akzeptiert fühlen.

Ich stelle immer wieder fest, dass es Bemühungen gibt, eine geschlechterneutrale Sprache im alltäglichen Sprachgebrauch – sowohl mündlich als auch schriftlich – ins Leben zu rufen. Die Art und Weise der Umsetzung wird unterschiedlich gehandhabt. Allerdings gibt es für das Gendern immer noch

Die verschiedenen Arten des Genderns

Seit Dezember 2018 ist es zudem möglich, im sogenannten Personenstandsrecht drei mögliche Geschlechtseinträge – „männlich“, „weiblich“, „divers“ – einzutragen. Allgemein ist jedoch festzuhalten: Geschlechtergerechte Texte müssen sachlich korrekt, verständlich und lesbar, rechtssicher, eindeutig sowie gut vorlesbar sein. Dies hat der Rat für deutsche Rechtschreibung in seiner Sitzung vom 26.03.2021 zur „Haltung der Genderzeichen“ noch einmal bekräftigt. (Quelle: Pressemitteilung Rat für deutsche Rechtschreibung. „Geschlechtergerechte Schreibung: Empfehlungen vom 26.03.2021“)

Ich möchte verschiedene Möglichkeiten des Genderns kurz vorstellen. Die Aufzählung ist sicher nicht vollständig, sie soll aber auf einige Vor- und Nachteile der einzelnen Arten des Genderns eingehen:

Vollständige Paar-/Doppelform

Beispiele: Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Schülerinnen und Schüler.

Die männliche und weibliche Form der Wörter werden gleichwertig verwendet und sind gut zu lesen. Diese Art und Weise verhindert, dass nur das generische Maskulinum – also nur die männliche Variante der Wörter – verwendet wird. Aufgrund der vielen Wiederholungen zieht diese Art jedoch Texte in die Länge. Weitere Geschlechter, wie z.B. divers, non-binäre Menschen sind nicht mit inbegriffen.

Neutrale Formulierungen

Beispiele: Studierende, Pflegende

Aus geschlechtsneutralen Schreibweisen geht keine Information hervor, welches Geschlecht die beschriebenen Personen haben. Sie beziehen sich statt auf konkrete Personen meistens auf Funktionen, Ämter oder Gruppenzugehörigkeiten. Neutrale Formulierungen haben den Vorteil, dass sie den Lesefluss nicht stören, barrierefrei und platzsparend sind. Zudem wird kein Geschlecht rein grammatikalisch ausgeschlossen. Nicht immer lassen sich jedoch brauchbare neutrale Formulierungen finden.

Gendersternchen (*)

Beispiele: ein*e Minister*in, die Wissenschaftler*innen

Das Gendersternchen ist eines der am häufigsten verwendeten Zeichen beim Gendern. Es soll für alle Geschlechter stehen, die durch die ursprüngliche deutsche Grammatik nicht abgebildet werden. Der Stern soll symbolisch als Bindeglied in alle Richtungen „strahlen“. Es sollen sich darin also alle Menschen wiederfinden. Ursprünglich dient das Zeichen „Asterisk“ in der Computersprache als Platzhalter für eine beliebige Zahl von Buchstaben. Das Sternchen ist somit weder komplett barrierefrei zu lesen noch Teil der amtlichen deutschen Rechtschreibung.

Gendern mit Doppelpunkt (:)

Beispiele: ein:e Forscher:in, die Handwerker:innen

Der Gender-Doppelpunkt ist die jüngste Form der gendergerechten Schreibweise und wird zunehmend mehr benutzt. Er gilt als lesefreundlicher als andere Arten, da er von Sprachausgabeprogrammen für Blinde oder Menschen mit Sehbehinderung am besten vorgelesen werden kann: Beim Doppelpunkt wird einfach eine kurze Sprechpause eingefügt. Zudem steht auch er nicht nur für das männliche oder weibliche Geschlecht. Aber genau wie das Gendersternchen ist auch der Doppelpunkt (noch) nicht Teil der amtlichen deutschen Rechtschreibung.

Gendern mit Unterstrich (_)

Beispiele: ein_e Akteur_in, die Beobachter_innen

Der Unterstrich wird auch als Gendergap (also „Lücke) bezeichnet. Er funktioniert sowohl bei den Vor- als auch bei den Nachteilen wie das Sternchen oder der Doppelpunkt.

Gendern mit Binnen-I

Beispiele: einE PolizistIn, die MusikerInnen

Das Binnen-I kann genau wie ein Schrägstrich (eine Mitarbeiterin/ein Mitarbeiter, Sprecherin/Sprecher) als Form des Zusammenziehens dienen. Es wird meist verwendet, um die weibliche Wortendung -in als Verlängerung an den Wortstamm zu hängen. Diese Art war mit eine der ersten Variationen beim Gendern, sie hat sich jedoch nicht als Standard durchsetzen können. Zu der fehlenden Barrierefreiheit bildet diese Form nur das männliche und weibliche Geschlecht ab. Sie kann aber auch aus anderen grammatikalischen Gründen nicht immer korrekt angewandt werden: Arzt und Ärztin, aber nicht ÄrztIn!

Was denn nun? – Probleme über Probleme

Ich habe versucht kurz aufzuzeigen, welche Probleme die einzelnen Techniken mit sich bringen: Nicht alle schließen alle Geschlechter ein, kein Sonderzeichen ist völlig barrierefrei und vor allem kann es zu einer falsch angewandten deutschen Grammatik kommen, da bei allen Varianten immer ein grammatikalisch korrektes Wort entstehen muss.

Wie Sie merken, ist das Thema „wie gendere ich korrekt“ wirklich komplex und noch immer unausgereift. Ich finde es gut und wichtig, dass das Thema bei der bewussten Neugestaltung unserer Sprache Aufmerksamkeit bekommt. Ich würde mir wünschen, dass es bald eine offizielle Lösung gibt, damit das Gendern vereinheitlicht und somit komplett offiziell eingeführt werden kann. Bis dahin haben wir uns als Fraktion dazu entschieden, unseren Fokus vor allem auf drei Formen zu legen:

Neutrale Formulierungen, vollständige Paar-/Doppelformen und das Gendern mit Doppelpunkt (:).

Mit diesen drei Varianten sollte ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Lesbarkeit, der deutschen Grammatik, der Barrierefreiheit und der Einbeziehung verschiedener und aller Geschlechter gegeben sein.

PS: Finden Sie es nicht auch interessant, dass sich viele Männer sofort quer stellen, wenn es darum geht, dass man nach jahrhundertlanger Benutzung der rein männlichen Formen überlegt, nur die rein weiblichen (generisches Femininum) zu verwenden? Ich gebe zu, dass es als etwas provokativ empfunden werden kann. Es ist auch keine finale Lösung, die umgesetzt werden sollte. Aber vielleicht wollen wir damit auch nur auf die herrschende generelle Diskriminierung von Frauen (und weiteren Geschlechtern) bei der weiterhin vorwiegend maskulinen Sprache aufmerksam machen...

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