Unser Weg zur Klimaneutralität in Frankfurt

Ein Beitrag von

Stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Ihr Stadtverordneter für die Ausschüsse Hauptausschuss und Finanzen, Klima- und Umweltschutz sowie Kultur, Wissenschaft und Sport

Der im August 2021 veröffentlichte sechste Weltklimabericht zeichnet kein rosiges Bild von der Zukunft. Wenn nicht bald Gegenmaßnahmen ergriffen werden, erwarten uns alle eine Reihe von negativen Folgen, die durch den Klimawandel entstanden sind. Extremwetter-Ereignisse wie Hitzewellen, Starkregen und Überflutungen werden immer häufiger auftreten. Jede Sekunde zählt: Bereits ein Zehntel Grad über dem 1,5-Grad-Ziel - also ein Zehntel über die Begrenzung des menschengemachten globalen Temperaturanstiegs durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius hinaus - hätte gravierende Folgen für unser aller Leben. Schon bei zwei Grad Erderwärmung wären extreme Hitzeereignisse 14-Mal wahrscheinlicher. Dazu müssten wir mit 70% mehr Starkregen-Ereignissen mit allen ihren negativen Folgen rechnen.

Der Klimawandel ist jetzt schon spürbar

Wir spüren die Folgen des Klimawandels aber bereits heute. Die Weltwetterorganisation berichtet, dass sich in den letzten fünfzig Jahren die Zahl an klimabedingten Katastrophen wie Stürmen, Überflutungen und Dürren verfünffacht haben. Eine baldige Entspannung der Lage ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Jahr für Jahr erreicht die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre einen neuen Höhepunkt. So wird die Erderwärmung weiter vorangetrieben.

Das ist auch bei uns in Deutschland sichtbar und spürbar. Die Hochwasserkatastrophe vom Juli 2021 hat allein im Ahrtal 133 Menschen das Leben gekostet. Tausende Häuser und Existenzen wurden zerstört. 2018 wurde im Frankfurter Westend mit 12,9 Grad Celsius die bundesweit höchste Jahresmitteltemperatur gemessen. 2019 traf der Hitzesommer Frankfurt besonders hart. Damals kam es zu einem neuen Hitzerekord von über 40 Grad Celsius. Schwere Schäden an Grünflächen, Bäumen und Bepflanzungen waren die Folge, aber auch Defekte bei der städtischen Infrastruktur. Der Klimawandel ist bereits da.

Klimaschutz ist in Frankfurt Zuhause

Wenn das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden soll, dann braucht es eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Staaten, Regionen und Städte. Frankfurt will dabei eine Vorreiterrolle einnehmen. Unsere Stadt hat eine lange Tradition des kommunalen Klimaschutzes. Bereits 1990 war Frankfurt Gründungsmitglied des Klimabündnisses. Das „Energie und Klimaschutzkonzept“ von 2008, der „Masterplan 100% Klimaschutz“ von 2012 und die „Klimaallianz“ von 2019 waren wichtige Meilensteine.

Nichtsdestotrotz braucht es deutlich mehr Anstrengungen, wenn wir den Schaden des Klimawandels möglichst gering halten wollen – unsere Großkinder werden es uns danken. Deshalb wollen wir alle Kräfte bündeln, um die Treibhausgasemissionen in Frankfurt bis 2035 auf ein klimaneutrales Niveau zu reduzieren. Dazu soll etwa ein Klimareferat eingerichtet werden, das alle Klimaschutzaktivitäten innerhalb der Stadtverwaltung koordiniert und einen ambitionierten Klimaschutzplan erstellt und umsetzt.

Wir nehmens in die Hand: sozial, nachhaltig und effektiv

Als ersten Schritt braucht es dafür erhebliche Investitionen in erneuerbare Energien und Energiesparprogramme. Wir wollen deshalb als Stadt Sofortprogramme starten, die die energetische Sanierung städtischer Liegenschaften vorantreiben, die Straßenbeleuchtung auf energiesparende LED-Technik umstellen und städtische Fahrzeuge mit klimafreundlichen Antrieben anschaffen.

Unsere Klimaschutzpolitik muss dabei auf eine solide und durchdachte Haushaltspolitik gestützt sein. Damit das möglich ist, muss sich Frankfurt verstärkt um Fördermittel der Landes-, Bundes- und EU-Ebene bewerben.

Gleichzeitig dürfen wir jedoch nicht den sozialen Zusammenhalt unserer Stadt aus den Augen verlieren. Dafür ist es wichtig, dass die, die schon jetzt zu wenig haben, nicht noch zusätzlich durch Klimaschutz finanziell belastet werden. Etwa bei der energetischen Sanierung von Mietshäusern wollen wir deshalb Mieter*innen vor hohen Kosten schützen.

Nur allein mit staatlichen Maßnahmen, wird es jedoch keine Klimaneutralität in Frankfurt geben. Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Deshalb wollen wir auch auf private Firmen in Frankfurt zugehen und sie bei der Umstellung in klimafreundliche Produktionsformen unterstützen.

Es ist deutlich, dass es viel zu tun gibt! Nur wenn wir diese Jahrhundertaufgabe gemeinsam anpacken und an ihrer Umsetzung arbeiten, werden wir unseren Kindern und Enkelkindern eine bewohnbare Welt hinterlassen.

Titelbild: Envato Elements

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