Industrie am Osthafen muss nachhaltig gestärkt werden

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Ihr Stadtverordneter für die Ausschüsse Ältestenausschuss, Diversität, Zusammenhalt, Beteiligung und Europa sowie Wirtschaft, Recht und Frauen

Es ist soweit: Die 19. Tage der Industriekultur Rhein-Main stehen an. In diesen Tagen können alle Bürgerinnen und Bürger in Frankfurt und im restlichen Rhein-Main-Gebiet die Wirtschaft der Region hautnah erleben. Fragen, wie zum Beispiel die technische Infrastruktur in der Region aussieht, oder wie hier ansässige Unternehmen Teil der weltweiten Vernetzung sind, werden bei Führungen und Veranstaltungen geklärt und zugänglich gemacht. Ich finde es toll, dass dieses Projekt Hafen- und Industrieanlagen, Brücken, Bahnhöfe, Klärwerke und Technologieparks ins öffentliche Bewusstsein bringt und dabei besonders hervorgehoben wird, welche Bedeutung all dies für unsere Stadt und Region hat.

Das diesjährige Thema lautet „Vernetzen“. Dass Frankfurt einiges an Infrastruktur zu bieten hat, dürfte klar sein. Mir persönlich fallen direkt die Radschnellwege ein, die die Stadt mit der Umgebung verbinden; die Häfen, in denen Rohstoffe angeliefert und Betriebe versorgt werden sowie die großen Flächen der Rechenzentren, die der Kommunikationsvernetzung dienen. Die Lage unserer Stadt am Main ist ein wichtiger Handels- und Umschlagplatz sowie Verkehrs- und Kommunikations-Knotenpunkt. Besonders sticht hierbei der 1908 erbaute Osthafen hervor.

Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes

Die Industrie ist wichtig für ganz Hessen. Zahlen zeigen auf, dass fast ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes des Bundeslandes von der Industrie erzeugt wird. Wir können froh sein, dass Hessens Industrie bereits wieder so viel Umsatz wie vor der Pandemie erwirtschaftet. Gleichzeitig gibt es pandemiebedingt jedoch 16.000 Arbeitsplätze weniger als noch zum Jahresende 2019. Dieser Abwärtstrend ist alarmierend. Er muss gestoppt und die Industrie wieder gestärkt werden! Mit dem Gebiet rund um den Osthafen hat die Industriebranche in Frankfurt seit Jahrzehnten nicht nur ein zu Hause gefunden. Sie ist auch wichtig für die Stadt, da sie mehr als 60 Prozent aller finanziellen Einnahmen durch die Gewerbesteuer einbringt.

Gute Infrastruktur verhilft zur Nachhaltigkeit

Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde und so trägt auch der Osthafen zur Nachhaltigkeit bei. Einer Studie der Universität Fulda und der Industrie- und Handelskammer (IHK) zufolge, ist ein Drittel der dort ansässigen Unternehmen auf den Anlieferweg über das Wasser angewiesen. 90 Prozent dieser Unternehmen benutzen entweder täglich oder mehrmals die Woche das Hafenbecken. Die dreifachen Anlieferwege, die der Osthafen zu bieten hat – Wasser, Schiene, Straße –, decken nicht nur die Bedürfnisse der Unternehmen. Auch die Stadt Frankfurt und die Bewohnerinnen und Bewohner profitieren von der guten Lage direkt am Fluss und der sehr guten Verkehrsvernetzung. Es wären rund 47.500 Lastwagen zusätzlich im Monat nötig, wenn allein die 37 befragten Betriebe der oben erwähnten Studie ihre Waren über die Straßen transportierten. Was das für die Auslastung der Straßen in Frankfurt bedeuten würde, möchte ich mir nicht ausmalen. Tatsächlich sorgt die Vielfalt der Anlieferwege für eine Verkehrsentlastung. Somit sinken unter anderem auch die Werte der Feinstaubbelastung. Der Osthafen ist also von ökologischer Bedeutung und unverzichtbar für den Weg zu einer klimaneutralen Stadt. Ich frage mich allerdings, ob wir das Wasser- und Schienennetzes schon maximal ausnutzen, oder ob da noch mehr möglich wäre.

Flächen für Unternehmen mit Anlieferungsbedarf sichern

Sprechen wir über das Thema Nachhaltigkeit, dürfen wir nicht einen Trend vernachlässigen, der in Frankfurt immer mehr an Fahrt aufnimmt: Der Ankauf von Flächen für Rechenzentren. Ein bereits bestehendes Rechenzentrum ist beispielsweise das Gebäude in der Weismüllerstraße 38 in Fechenheim. Es erstreckt sich über fünf Stockwerke mit einer Gesamtfläche von 4.800 Quadratmetern. Gegen Feuer ist das Rechenzentrum mit einer speziellen Löschanlage gesichert und bei Stromausfällen können bis zu neun Dieselgeneratoren den Betrieb aufrechterhalten. Der Energiebedarf des Rechenzentrums liegt bei über zehn Megawatt – so viel wie eine ganze Kleinstadt im Durchschnitt verbraucht! Meiner Meinung nach sollten Rechenzentren nicht auf Flächen entstehen, die über eine exzellente Verkehrsanbindung verfügen – sei es per Zug, Schiff oder Auto. Diese Flächen sollten Unternehmen zur Verfügung stehen, die auf solche Anlieferwege angewiesen sind. Daher möchte Frankfurt der Ansiedlung von Rechenzentren, mit so genannten „Clustern“ begegnen. Das bedeutet, dass die Gebäude in bestimmten vorgesehenen Bereichen (Clustern) in der Stadt gebaut werden können und in anderen Bereichen dafür nicht. Ich hoffe, dass wir somit Flächen sichern können, die beispielsweise eine gute Anbindung an Schiene und Wasser haben. Auf diesen Flächen Platz für Rechenzentren zu schaffen, wäre nicht sinnvoll und nicht nachhaltig. Mehr über die Vor- und Nachteile von Rechenzentren haben wir bereits in unserem Blog „Alles online – digitaler Datenkonsum in Zeiten der Corona-Krise“ berichtet.

 

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