Lebenslanges Lernen hat eine 100-jährige Tradition – Ein Blick auf die Frankfurter Volkshochschule

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Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich vor jedem Urlaub in einem anderen Land, in dem ich die Sprache nicht durch Schulkenntnisse abdecken konnte, einen Kurs an der Volkshochschule belegte. Italienisch und Spanisch habe ich mir durch wöchentliches, gemächliches, aber dennoch konsequentes Lernen angeeignet. So kannte ich im Urlaubsland den Klang der Sprache, beherrschte ein wenig der Grammatik und konnte mich zusätzlich mit einem Wörterbuch auch abseits der Touristenströme recht gut verständigen.

Der Vorteil des Lernens an der Volkshochschule war, dass man dies neben der Berufstätigkeit gut und leicht erledigen konnte, dass die Kurse bezahlbar waren und man im besten Fall noch nette Leute kennenlernte.

100 Jahre Volkshochschulen

Erst sehr viel später habe ich erfahren, dass dieser Lernort „Volkshochschule“ im Jahr 1919 entstanden ist. In Artikel 148 der Weimarer Reichsverfassung steht: „Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden.“ Das war der Beginn der Volkshochschulen (VHS) als Bildungseinrichtungen. Die Idee dahinter war, dass Bildung nicht nur einem kleinen Teil der Bevölkerung vorbehalten sein darf, sondern in die Mitte der Bevölkerung gelangen muss. Freiheit und Demokratie gibt es nur mit Bildung.

An Volkshochschulen kann ein Schulabschluss erworben, Integrationskurse können absolviert oder Grundbildungsangebote genutzt werden. Der jeder Arbeitnehmerin und jedem Arbeitnehmer, zustehende Bildungsurlaub kann ebenfalls für Kurse an der VHS genommen werden. In Hessen gibt es insgesamt 32 Volkshochschulen mit mehr als 300 Bildungsstätten.

Die Frankfurter Volkshochschule

Gerade liegt das rund 350-Seiten starke Programm für Frühjahr/Sommer 2021 der Frankfurter Volkshochschule auf meinem Tisch, das Sie auch unter vhs.Frankfurt.de einsehen können. Rund 2.600 Kurse werden bis zum Sommer schwerpunktmäßig in sieben verschiedenen Bildungszentren angeboten. Durch die Gründung des Bildungszentrums Nord im Nordwestzentrum ist die Volkshochschule nochmals näher an die Menschen im Stadtgebiet gerückt. Die übrigen Bildungszentren befinden sich eher im Innenstadtbereich, wie die Zentrale in der Sonnemannstraße oder die Lernorte in der Leipziger Straße, der Idsteiner Straße oder der Mainzer Landstraße. Im Westen von Frankfurt befinden sich zwei weitere Zentren in Höchst. Kurse finden aber auch in Schulen, Selbsthilfe- oder Nachbarschaftszentren statt.

Was kann ich an der Volkshochschule lernen?

Ich kann an der Volkshochschule meinen Hauptschulabschluss genauso nachholen wie einen Realschulabschluss. Für Geflüchtete, die nach Frankfurt kommen, gibt es Integrations- und Sprachkurse – die VHS ist unter anderem auch eine von 50 Prüfungsstellen für den Einbürgerungstest.

Fast alle Fremdsprachen kann ich lernen, Fitness und Sportangeboten nachgehen oder ein Musikinstrument in der Gruppe spielen. Ich kann in kunst- und handwerkliche Techniken hineinschnuppern, teilweise auch sehr spezielle Fertigkeiten erwerben, wie z.B. Sashiko-Stickerei. Programmieren ist im Angebot neben weiteren Themen rund um IT und Computer und Bildungsurlaub für alle oder für bestimmte Gruppen, z.B. nur für Frauen.

Jedes Programm hat auch einen Schwerpunkt. Aktuell ist das Motto: Gemeinsam lernen für eine bessere Welt. Mit einer Auswahl von 100 Kursen soll das Schwerpunktthema „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ hervorgehoben werden.

Corona, Finanzierung und die Beschäftigten

Durch Corona hat sich für den Lehrbetrieb an den Volkshochschulen die Welt verändert. So wird der Präsenzunterricht je nach Inzidenz immer mal wieder ausgesetzt. Allerdings gibt es inzwischen bereits ein großes Angebot an Onlinekursen. Um die VHS als Ort der Begegnung und des Lernens zu erhalten, wird an den Lernorten viel für Hygienemaßnahmen getan. Dennoch gibt es im Bereich der Volkshochschule noch viele Honorarkräfte, die kein Einkommen haben, wenn der Kurs ausfällt.

Den größten Teil der Finanzierung der VHS trägt die Stadt Frankfurt. Trotz Verankerung in der Landesgesetzgebung, beteiligt sich das Land Hessen nur in geringem Umfang. Dennoch ist es der Stadt wichtig, ihre Lehrkräfte an den Volkshochschulen gut zu bezahlen. So wurde in den letzten Jahren der Stundenlohn für die Lehrkräfte von Deutsch als Fremdsprache, aber auch der Integrationskurse deutlich erhöht. Trotz Corona-Krise sollte es unserer Meinung nach weiterhin das Ziel bleiben, alle Lehrkräfte angemessen zu bezahlen oder sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze auch im Lehrbetrieb zu schaffen.

Wann besuchen Sie einen Kurs an der Volkshochschule? Ich kann es Ihnen sehr empfehlen.

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