Oper und Schauspiel gehören ins Zentrum der Stadt – eine neue Kulturmeile für Frankfurt

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Stellvertretende Fraktionsvorsitzende sowie Stadtverordnete für Soziales und Gesundheit, Kultur und Freizeit sowie für den Ältestenausschuss.

Seit Monaten wird in der Stadt darüber diskutiert, wie es mit der Oper und dem Schauspiel in Frankfurt weitergehen soll. Fakt ist, dass das alte Gebäude marode ist und eine Sanierung viel zu teuer wäre. Die Stadtverordnetenversammlung hat sich daher bereits im Januar 2020 auf Basis eines Gutachtens für einen Neubau und gegen eine Sanierung der kompletten Theaterdoppelanlage ausgesprochen.
Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig hat nun erste Entwürfe für einen Neubau der Oper am Rande der Wallanlagen und für einen Neubau des Schauspiels am Willy-Brandt-Platz präsentiert. Ich bin von diesen Entwürfen begeistert.

Örtlich getrennte Neubauten der Oper und des Schauspiels in Frankfurt

Wer die ersten Bilder der möglichen Neubauten sieht, wird nicht mehr lange über eine Sanierung der maroden Doppelanlage oder gar über einen Wiederaufbau des alten Schauspiels nachdenken. Die Entwürfe machen Vorfreude auf die Zukunft, selbst wenn es noch ein paar Jahre dauern wird bis die Neubauten wirklich stehen und genutzt werden können. Aber es ist wichtig, die Vorstellung, wie die neuen Gebäude beider Bühnen aussehen könnten, immer im Blick zu haben – gerade in finanziell schwierigen Zeiten wie der jetzigen Corona-Krise.

Das neue Schauspielhaus würde nach den nun vorgestellten Entwürfen weiterhin am Willy-Brandt-Platz bleiben, während der Neubau der Oper am Rande der Wallanlagen zwischen Alter Oper und dem Willy-Brandt-Platz entstehen würde. Wenn diese Vorstellungen realisiert würden, entstünde eine wahrhaftig beeindruckende Kulturmeile vom Jüdischen Museum bis hin zur Alten Oper. Dazu gehörten dann auch das English Theatre, die Komödie und die Dependancen des Museums für Moderne Kunst (MMK) und des Weltkulturenmuseums. Alles wäre fußläufig über die Wallanlagen verbunden. Gleichzeitig entstünde dadurch ein attraktiver Durchgang von der Taunusanlage zur neuen Mainzer Straße. Das wäre eine riesige Chance für mehr Lebensqualität in der Stadt.

Der Willy-Brandt-Platz muss Kulturstandort bleiben

Für die SPD ist klar, dass entweder die Oper oder das Schauspiel am Willy-Brandt-Platz neu errichtet werden müssen. Wir wollen nicht, dass dieser zentrale Ort zum Tummelplatz für Immobilienspekulanten wird. Die CDU schlägt vor, beide Spielstätten zu verlagern und den Willy-Brandt-Platz zu vermarkten. Die Oper würde dann Teil eines Gewerbegebiets im Osthafen sein. Diesen Vorschlag lehne ich strikt ab. Dieser zentrale Kulturstandort gehört allen Bürgerinnen und Bürgern und darf nicht zum Objekt der Begierde der Immobilienspekulanten werden. Deshalb halte ich auch nichts von dem Vorschlag, am Willy-Brandt-Platz noch ein zusätzliches Hochhaus zu realisieren. Aber selbstverständlich sind wir offen für überzeugende Architekturentwürfe, die im neuen Schauspielgebäude auch andere öffentliche Nutzungen oder Gastronomie integrieren. Unser Ziel ist es, am Willy-Brandt-Platz einen offenen und attraktiven Stadtraum für alle zu schaffen. Beide Neubauten sollen sich für das breite Publikum öffnen – Teilhabe und Vielfalt sind unser Ziel und nicht kleingeistiges Profitdenken.

Wolkenfoyer kann in einen Neubau integriert werden

Der vom Landesdenkmalamt festgestellte Denkmalwert des Wolkenfoyers ist aus meiner Sicht kein Hindernis für eine Trennung beider Spielstätten. Auch mir ist das künstlerisch gestaltete Wolkenfoyer ans Herz gewachsen und ich bin mir sicher, dass die Architekten einen Weg finden, um es angemessen im entstehenden Neubau zu integrieren und dementsprechend zu würdigen.

Grundsatzentscheidung muss bald fallen

Auch wenn es derzeit zwischen CDU, Grünen und uns als SPD noch unterschiedliche Auffassungen über den richtigen Weg gibt, arbeiten wir gemeinsam an der besten Lösung für Frankfurt. Jedes Jahr in den alten Gebäuden kostet die Stadt zudem viel Geld und macht die Neubauten teurer. Eine schnelle Grundsatzentscheidung ist daher – trotz der Corona-Unsicherheiten – nötig. Schließlich dauert es dann immer noch ein paar Jahre, bis die Bagger rollen und wir Theaterstücke und andere Aufführungen in den Neubauten anschauen und genießen können. Ich hoffe deswegen, dass die CDU bald einen Schritt auf uns zumacht, denn sowohl wir als auch die Grünen stehen zum Bühnenstandort am Willy-Brandt-Platz.

4 Kommentare zu „Oper und Schauspiel gehören ins Zentrum der Stadt – eine neue Kulturmeile für Frankfurt“

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    Stefan Meditz

    Eine Oper zwischen zwei Hochhäuser zu klemmen ist nicht schön. Einen offenen Platz hätte sie schon verdient. Am Opernplatz läge sie wohl besser. Das wäre auch an der Kulturmeile und würde dazu mit dem Kulturcampus korrespondieren.

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    Timo Kohlhepp

    „Wer die ersten Bilder der möglichen Neubauten sieht, wird nicht mehr lange über eine Sanierung der maroden Doppelanlage oder gar über einen Wiederaufbau des alten Schauspiels nachdenken.“

    Bezüglich des Erhalts des jetzigen Klotzes mögen Sie hier Recht haben, bezüglich des Wiederaufbaus des Schauspielhauses keinesfalls. Insbesondere da große Teile des ursprünglichen Baus noch erhalten sind, empfinde ich einen Neubau am Willy Brandt Platz als groben Fehler. Bisher habe ich auch keine überzeugenden und einzigartigen Entwürfe gesehen.
    Frankfurt hat hier die Möglichkeit zweigleisig zu fahren und somit in beide Richtungen zu gehen. Ich spreche mich ganz klar für eine Rekonstruktion des Schauspielhauses und einen Neubau der Oper an der neuen Mainzer Straße aus.

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    Ich schliesse mich den Worten von Thilo Kohlhepp an. Als gebürtiger Frankfurter ist man nicht nur verliebt darin die Kultur dieser Stadt zu erhalten, sondern sie auch nachhaltig zu gestalten. Geben wir den wenigen noch verbliebenen Steinmetzen eine Aufgabe. Der Goetheturm steht wieder. Warum sollte das alte Schauspielhaus also nicht auch wieder aufgebaut werden? Falls die Politik nicht will, sammeln die Bürger eben. Die derzeitige Schauspielhausfassade ist ein Relikt aus den 60ern. Wollen wir dieser unseren Stadt ihre Grundwerte des Schauspielhauses entreissen, welche immer noch zu einem überwiegenden Teil hinter der kalten Glasfassade erhalten sind? Ich bin für eine Rekonstruktion. Mehr als den neuen Berliner Flughafen kann es nicht kosten. Mir ist auch egal wie lange ein Wiederaufbau dauern würde. Unsere kulturellen Erben würden es uns jedenfalls danken. Lobbyisten sind natürlich anderer Meinung.

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      SPD-Fraktion im Römer

      Ob man eine Rekonstruktion eines zerstörten Gebäudes aus dem Jahr 1902 gut findet, die bestehende Theaterdoppelanlage erhalten möchte oder einen kompletten Neubau anstrebt ist nicht nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern auch des persönlichen Geschmacks.

      Wer aber glaubt das hinter der vermeintlich kalten Glasfassade ein überwiegender Teil des alten Hauses erhalten ist liegt falsch. Nach den Untersuchungsergebnissen Stabsstelle Städtische Bühnen sind überhaupt nur noch 20-25 Prozent der Gebäudeteile vorhanden, dabei handelt es sich vornehmlich um die Fundamente und tragende Wände der unteren Geschosse. Der Erhalt der originalen Baudekoration, also der schmückenden Elemente des Gebäudes, liegt nach umfangreichen Untersuchungen bei weniger als zehn Prozent, da das Gebäude im Krieg weitgehend zerstört wurde. Im Falle einer Rekonstruktion müsste das Gebäude aus der Kaiserzeit folglich nahezu komplett neu nachgebaut werden, ohne dass die Anforderungen des Schauspiels auch nur annähernd abgebildet würden. Aus diesen guten Gründen hat sich die Stadtverordnetenversammlung gegen eine solche Rekonstruktion entschieden.

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