Mehr gute Arbeit wagen!

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Fraktionsvorsitzende und 1. Geschäftsführerin. Außerdem Stadtverordnete für die Ausschüsse Soziales und Gesundheit, Haupt und Finanzen sowie für den Ältestenausschuss.

Frankfurt ist einer der wichtigsten Wirtschafts- und Finanzstandorte in Deutschland und Europa. Die charakteristische Frankfurter Skyline zeigt es gleich: Das Stadtbild Frankfurts ist von Banken, Hotels und internationalen Unternehmen geprägt. Hinzu kommen der größte Flughafen Deutschlands, die Frankfurter Messe, Verlage und Immobiliengesellschaften, aber auch Industriebetriebe. Zwischen Hauptwache und Konstablerwache findet man Deutschlands meistbesuchte Einkaufsmeile: die Zeil. Kurzum: Frankfurt ist die Stadt mit der höchsten Arbeitsplatzdichte in Deutschland – zugleich aber auch mit den meisten Pendlern. Denn die Mieten in der Stadt steigen rasant. Das ist ein Grund dafür, dass die soziale Ungleichheit in unserer Stadt zunimmt. Ein anderer Grund ist die enorme Spreizung zwischen hohen und niedrigen Gehältern in unserer Stadt. Frankfurt ist eine Stadt der Gegensätze. Ich bin überzeugt, dass gute Wirtschaft und gute Arbeit sich nicht gegenseitig ausschließen dürfen. Wir Sozialdemokraten wollen die wirtschaftliche Stärke vielmehr als Garant für sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze verstanden wissen. Wir wollen die Arbeit in Frankfurt sozial, menschlich und modern gestalten. Wir können – und müssen – in Frankfurt mehr gute Arbeit wagen!

Ungleichheiten abmildern, gute Arbeit einfordern!

Laut einer jüngeren Studie (2018) des renommierten Forschungsinstituts „Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin“ (WZB) lebt ein Viertel – Tendenz steigend – der Frankfurter Einwohnerinnen und Einwohner in sogenannten „geschlossenen Bezirken.“ Das sind Stadtteile, in denen Einwohnergruppen „unter sich“ leben, in denen also keine soziale Durchmischung stattfindet. Schließlich können sich „Normalverdienerinnen und Normalverdiener“ selbst „normale“ Wohnungen in Bockenheim oder Bornheim häufig kaum leisten, geschweige denn teure Luxusapartments im Europaviertel. Diese Spaltung beim Wohnen verweist auf die ungleiche Einkommensverteilung in Frankfurt: Den außerordentlich hohen Gehältern vor allem in der Frankfurter Finanz- und Beraterbranche stehen außerordentlich niedrige Löhne in den Dienstleistungsberufen, etwa in der Pflege und in der Gastronomie, gegenüber. Ich finde: Für eine Stadt wie Frankfurt ist das fatal. Wir brauchen gute Löhne und gute Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten in Frankfurt. Wir Sozialdemokraten streiten daher für gute Arbeit und für die Tarifbindung in Frankfurt. Wir wollen Lohnungleichheiten abmildern und allen Menschen ein gutes Leben in Frankfurt ermöglichen. Das ist eine grundlegende Voraussetzung für eine demokratische, gerechte und freie Gesellschaft.

Gute Arbeit ist gleichberechtigte Arbeit

Eine aktuelle Auswertung der Bundesagentur für Arbeit (2019) zu Einkommen in Vollzeitjobs belegt es: Ältere, männliche Hochschulabsolventen mit deutscher Staatsangehörigkeit verfügen über die höchsten Einkommen in Frankfurt. Zwischen Männern und Frauen bestehen in Frankfurt krasse Gehaltsunterschiede: Während Frauen in Vollzeitjobs in Hessen durchschnittlich 478 Euro weniger verdienen als Männer in Vollzeitjobs, sind es in Frankfurt deutlich mehr als 800 Euro! Das hängt unter anderem damit zusammen, dass Frauen häufiger in sozialen Berufen arbeiten als Männer, diese aber trotz ihrer gesellschaftlichen Wichtigkeit schlechter bezahlt werden als etwa Berufe in der Bankenbranche. Hinzu kommt, dass jede zweite Frau, aber nur jeder achte Mann in Teilzeit arbeitet. Tatsächlich sind die Einkommensunterschiede also noch deutlich höher ausgeprägt. Für mich als Sozialdemokratin ist diese ungleiche Einkommensverteilung zwischen Männern und Frauen unerträglich: Wir streiten daher für die gleichberechtigte Arbeit und gegen jede Geschlechterdiskriminierung in unserer Stadt. Wir brauchen Jobgarantien nach Elternzeit und Beurlaubung, individuelle Arbeitszeitregelungen (wenn von den Beschäftigten gewünscht!) und Unterstützung für Männer, die sich stärker in der Familienarbeit engagieren möchten. Ich finde: Gute Arbeit muss sich lohnen – für Männer und für Frauen!

Arm in einer reichen Stadt?

Uns Sozialdemokraten müssen die Bedürfnisse der Menschen mit niedrigen und ohne Einkommen ein besonderes Anliegen sein. Zwar war die Arbeitslosenquote in Frankfurt 2018 so niedrig wie noch nie. Dennoch gab es im März 2019 auch in unserer reichen Stadt 20.597 Menschen ohne Arbeit. Hinzu kommen die vielen Beschäftigten im Niedriglohnsektor, die unter schlechten – und sich verschlechternden – Arbeitsbedingungen arbeiten. Wir streiten deswegen für gute Arbeit für alle Menschen in Frankfurt, die arbeiten möchten: unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Staatsangehörigkeit, Religion oder sexueller Orientierung, mit oder ohne Behinderung bzw. Handicap. Denn: Wir wollen ein Frankfurt für die Vielen, nicht für die Wenigen. Neben der Durchsetzung von Tariflöhnen sind hierfür die Schaffung von bezahlbaren Wohnungen und der freie Zugang zu Angeboten zur weiteren Qualifizierung wichtige Voraussetzungen. 

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