Männer, macht Platz! Für mehr Frauen in Führungspositionen

Ein Beitrag von

Ihre Stadtverordnete für die Ausschüsse Soziales und Gesundheit sowie Wirtschaft und Frauen.

Dass die immer noch existierende Ungleichheit von Frauen in unserer Gesellschaft dieses Jahr unter anderem durch Corona so in meinen politischen Mittelpunkt rückt, hatte ich Anfang März noch nicht ahnen können. Aber bereits im Frühjahr berichtete ich zum Weltfrauentag schon in einem Blog über die Ungleichstellung von Frauen in Unternehmensvorständen – und über die Gründe, warum das in den meisten Fällen leider immer noch so ist.

Veranstaltung Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft

Ende August organisierten wir eine Veranstaltung mit Frauen, die in Führungspositionen arbeiten oder gearbeitet haben – und auch mit Männern. Gemeinsam mit einem lebhaften Publikum diskutierten wir über die Probleme und Hintergründe, warum es in der heutigen Gesellschaft immer noch so schwer durchsetzbar ist, dass auch Frauen in Führungspositionen arbeiten können oder wollen. Die Veranstaltung wurde aufgenommen und ist hier zu sehen:

Für mehr Frauen in Führungspositionen

Persönlich hoffe ich bei der Lösung dieser Probleme sehr auf die Pläne von Familienministerin Franziska Giffey und Justizministerin Christine Lambrecht (beide SPD). Sie haben bereits vor Monaten in einem Gesetzesentwurf vorgeschlagen, dass es bei privaten Unternehmen einen Frauenanteil von 30 Prozent in den Vorständen geben soll. In Unternehmen, die im Eigentum des Bundes sind –  wie zum Beispiel die Deutsche Bahn –  und im Öffentlichen Dienst sollen Führungspositionen sogar zur Hälfte mit Frauen besetzt werden.

„In Deutschland erreicht keines der 30 wichtigsten Unternehmen im eigenen Vorstand einen Frauenanteil von 30 Prozent. Elf Dax-Konzerne haben sogar keine einzige Frau in ihrem Vorstand und nur vier (Allianz, Daimler, Deutsche Telekom und Fresenius Medical Care) haben mehr als ein weibliches Vorstandsmitglied.“ (Quelle: Tagesschau 07.10.2020)

Die Wirtschaft, in Form von Großunternehmen der Privatwirtschaft, unsere städtischen Gesellschaften und der Öffentliche Dienst, müssen noch stärker als bisher mit gutem Beispiel vorangehen! Nur so erreichen wir, was eigentlich schon lange selbstverständlich sein sollte: Gleiche Chancen für Frauen und Männer.

Für gemischte Teams in Führungspositionen

Obwohl über die Hälfte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst Frauen sind, ist nur jede vierte Führungskraft weiblich. Noch schlimmer ist es in der Privatwirtschaft. Dort sank der Anteil von Spitzenmanagerinnen in den wichtigsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands auf nur 12,8 Prozent. Der Gesetzentwurf für die Einführung eines Frauenanteils in Vorständen wird auch nach Monaten immer noch im Bundestag diskutiert und vor allem aus den Reihen der CDU kommt heftiger Widerstand: Man müsse sich jetzt auf die Coronakrise konzentrieren und könne nicht erwarten, dass sich Unternehmen mit Prozenten in Vorständen beschäftigten. Entgegen dieser pessimistischen Stimmen bin ich jedoch überzeugt, dass wir vor allem mit gemischten Teams noch besser durch die Krise kämen und unsere Wirtschaft nur davon profitieren würde. Wir stellen uns selbst ein Bein, indem wir Potenziale ungenutzt lassen. Wenn selbst Untersuchungen belegen, dass vielfältige Teams zu einem höheren Unternehmensumsatz und zu größerem Wohlbefinden innerhalb der Teams führen, frage ich mich, weshalb wir freiwillig auf mehr Frauen in Führungspositionen verzichten. Investitionen in die Zukunft sehen anders aus.

Ich kann nachvollziehen, welche Ängste vor allem bei Männern mitschwingen, wenn ein sicherer Platz an der Spitze aufgrund von zusätzlichen Mitbewerberinnen plötzlich doch nicht mehr so sicher scheint. Denn wer gibt seine in die Wiege gelegten Vorteile schon freiwillig auf? Deshalb braucht es vorgeschriebene Regeln, die alte Strukturen aufbrechen und für eine gleichberechtigte Besetzung von Stellen mit Männern und Frauen sorgen. Egal ob in der Stadtverwaltung oder in Wirtschaftsunternehmen – denn von allein tut sich nichts.

Die FIT-Public-Management-Studie analysierte die Repräsentation von Frauen in Top-Managementpositionen öffentlicher Unternehmen von insgesamt 69 deutschen Städten. Daraus geht hervor, dass in den besonders systemrelevanten Branchen „Gesundheit & Soziales“ noch immer deutlich mehr Frauen arbeiten. Dieser Bereich und somit auch der gesellschaftliche Beitrag aller Mitarbeitenden ist in Zeiten von Corona unverzichtbar für die Krisenbewältigung. Frauen wuppen also in einem hohen Maße die Krise und befinden sich trotzdem nicht in Führungspositionen!

Und wie steht es um Frankfurt?

Die Stadt Frankfurt ist bereits im Jahr 2013 gegen die Ungleichheit zwischen Mann und Frau in städtischen Unternehmen vorgegangen. Es wurden Richtlinien festgeschrieben, an die sich die städtischen Unternehmen halten müssen. Außerdem muss es einen jährlichen Bericht darüber geben, wie der aktuelle Stand hinsichtlich der Beschäftigung von Männern und Frauen in dem jeweiligen Unternehmen ist. Das ist wichtig, denn öffentliche Unternehmen haben in der Diskussion um Frauen in Führungspositionen immerhin eine Vorbildfunktion.

Mal ganz abgesehen davon steht in Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes, dass es Aufgabe des Staates ist, die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken – worauf warten wir also noch?

Der Frauenanteil aller Beschäftigten in städtischen Gesellschaften und Eigenbetrieben der Stadt Frankfurt lag 2019 bei rund 35 Prozent – 2015 betrug er noch 40,1 Prozent. Der Frauenanteil auf allen Führungsebenen beträgt 37,7 Prozent, wobei der Anteil in der Geschäftsführungsebene nur bei 21,9 Prozent liegt. An der Spitze der von Frauen besetzten Branchen stehen die Kultur-, Freizeit- und Bildungsbranche in Frankfurt. Düster sieht es in den Geschäftsführungsebenen im Bereich Verkehr, Versorgung und Entsorgung, Wohnungsbau und Wirtschaft aus. Hier beträgt der Frauenanteil nur zwischen 11 und 26 Prozent. Damit wir nicht länger neidisch zu unserer Nachbarstadt Offenbach schauen müssen, die an der Spitze des Städtevergleichs mit 56,6% weiblich besetzter Positionen im Top-Management aufweist, müssen wir nachlegen! Wir laden alle demokratischen Kräfte dazu ein, Frauen wie Männer, mit uns gemeinsam dafür zu kämpfen.

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