Femizide – Mädchen und Frauen vor Gewalt schützen

Ein Beitrag von

Ihre Stadtverordnete für die Ausschüsse Soziales und Gesundheit sowie Wirtschaft und Frauen.

Es klingt absurd: Fast die Hälfte von allen in Deutschland getöteten Frauen wird von dem Mann getötet, der vorgibt, sie zu lieben – ihr (Ex-) Partner. Täglich versucht ein Mann in Deutschland, seine (Ex-) Ehefrau oder (Ex-) Partnerin zu töten und jeden dritten Tag stirbt tatsächlich eine Frau an solch einem Verbrechen. Letztes Jahr waren es insgesamt 117 Frauen, die durch ihren Partner oder Ex-Partner umgebracht wurden. Diese Zahlen sind den wenigsten bekannt. Ich muss zugeben, sie klingen unwirklich. Mitten in Deutschland, mitten in Hessen, ja mitten in Frankfurt werden Frauen getötet – aus dem einfachen Grund, weil sie weiblich, weil sie Frauen sind. Dieses Verbrechen nennt man Femizid.

Wo kommen Femizide vor?

Während Männer vor allem außerhalb von Partnerschaften Gefahr laufen, von anderen getötet zu werden, ist für Frauen die Beziehung oder eine in der Vergangenheit liegende Beziehung am gefährlichsten. Der Rahmen, in dem die Frauen eigentlich am sichersten sein sollten, ist für sie letztendlich der Gefährlichste. Zu einem Femizid kommt es meist in einer Trennungsphase oder nach der Trennung. Häufig gibt es vorab schon gewalttätige Übergriffe gegenüber Frauen. Solche Angriffe gegenüber Frauen und Femizide sind jedoch keinesfalls Phänomene, die nur in bestimmten sozialen Klassen in unserer Gesellschaft vorkommen. Im Gegenteil: Häusliche Gewalt und Tötungen kommen in allen Gesellschaftsklassen vor – unabhängig von Einkommen und Herkunft! Zwei Drittel der Angreifer sind zudem deutsche Staatsbürger.

Wie viele Fälle von Femiziden gibt es in Deutschland?

Allein in Frankfurt wurden 2019 drei Fälle von Femiziden bekannt – darunter ein Mord, der sich im belebten Bornheim unweit der Berger Straße ereignete. Diese Zahlen zeigen lediglich die Fälle auf, die aufgedeckt und vor Gericht gebracht wurden. Die Dunkelziffer scheint weitaus höher zu sein, denn noch immer bleibt häusliche Gewalt meist unentdeckt und wird als „Privatsache“ abgetan. So bleiben die Verbrechen meistens dort, wo sie passieren: hinter verschlossenen Türen. Wie sich die Situation durch die Corona-Krise entwickelt, ist ungewiss. Wir haben bereits letztes Jahr im März über die mögliche Zunahme von Gewalttaten in Familien während der Pandemie geschrieben. Mehr dazu hier.

Wie kommt es zu Femiziden?

Ich frage mich, was eine Person in Beziehungen dazu treibt, gewalttätig zu werden und zu töten. In 80% der Fälle sind es Männer, die gegenüber Frauen handgreiflich werden. Ich kann mir nur erklären, dass Femizide durch falsche, herrschsüchtige Besitzansprüche entstehen. Ich glaube, dass solche Ansprüche durch veraltete und nicht mehr hinnehmbare Rollenbilder entstehen, mit denen manche noch immer aufwachsen. Wir brauchen dringend ein anderes Verständnis für Geschlechterrollen! Sie sind ein wichtiger Ansatzpunkt, wenn es darum geht, weitere Taten zu verhindern. Klar ist aber, dass diese vorherrschenden Rollenbilder niemals eine Entschuldigung für solch grausamen Taten sind!

Wie können wir weitere Femizide verhindern und dagegen vorgehen?

Ich sehe es daher als unsere Aufgabe, dazu beizutragen, dass solche grausamen Taten endlich in der Öffentlichkeit wahrgenommen und verurteilt werden. Wir alle müssen uns darüber bewusstwerden, dass solche Verbrechen keine Einzelfälle sind, die uns nichts angehen, sondern, dass sie mitten in unserer Stadt geschehen und vielleicht sogar unsere Freundinnen oder in der Familie vorkommen könnten.

Ich sehe Frauenbewegungen in unseren Nachbarländern, die regelmäßig auf die Straße gehen und gegen Femizide protestieren. In Frankfurt, so habe ich den Eindruck, ist ein solcher Einsatz für und Kampf gegen Femizide bisher noch nicht gelungen. Woran mag das liegen? Wir sehen Berichterstattungen, die bei Tötungen von Frauen von „Liebes-“ oder „Eifersuchtsdramen“ sprechen. Die Darstellung in Medien trägt natürlich mit dazu bei, wie wir über eine solche Tat denken. Das Verbrechen bleibt eher im Privaten und wird als einmaliges Ereignis heruntergespielt, anstatt es als ein gesamtgesellschaftliches Problem anzusehen.

Ich wünsche mir, dass wir ehrlich miteinander sind, und diese Verbrechen als das bezeichnen, das sie sind: Frauenmorde – Femizide! Um die Struktur, die hinter diesen Verbrechen steht, zu verstehen und die Gräueltaten sichtbarer zu machen, wünschen wir uns ein Mahnmal für alle Femizide, die in Frankfurt, aber auch in ganz Deutschland, verübt wurden. Es soll auch symbolisieren, dass diese Taten weder einmalige noch private Dramen oder ähnliches sind, sondern Verbrechen an Frauen, die uns alle angehen. Daher wünsche ich mir für diese Gedenkstätte einen für alle sichtbaren Ort, der uns immer wieder an unsere Aufgabe erinnert: Mädchen und Frauen vor Gewalt zu schützen!

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