Einkaufen der Zukunft – Was wird aus dem Einzelhandel?

Ein Beitrag von

Fraktionsvorsitzende und Geschäftsführerin. Außerdem Stadtverordnete für die Ausschüsse Recht, Verwaltung und Sicherheit, Soziales und Gesundheit, Haupt und Finanzen sowie für den Ältestenausschuss.

Wie sieht es mit einem Einkauf in der Innenstadt aus?

Wenn ich mir die Zeil und die Innenstadt in Frankfurt, aber auch die Einkaufsstraßen in vielen anderen Städten anschaue, stelle ich seit Jahren fest, dass schon viele kleinere Geschäfte verschwunden sind. Nun steht auch die Schließung großer Kaufhäuser an, die viele Fußgängerzonen in den Innenstädten prägen. Der Konzern Galeria Karstadt Kaufhof hat angekündigt, dass deutschlandweit insgesamt 56 Warenhäuser und zudem noch 20 Karstadt Sport Filialen geschlossen werden sollen. Darunter die Karstadt-Häuser auf der Zeil und im Hessen-Center sowie der Karstadt Sport am Roßmarkt. Auch die Filiale im Main-Taunus-Zentrum soll voraussichtlich im Oktober dieses Jahres geschlossen werden. Große Ketten kämpfen also genauso um ihr Leben wie kleine Läden Ich frage mich also, werden uns die Möglichkeiten zum Einkaufen vor Ort Stück für Stück genommen? Wie sieht das Einkaufen der Zukunft aus? Und was kann die Politik dabei tun?

Für den Erhalt der Arbeitsplätze

Trotz drohender Schließung setzen wir uns weiter für den Erhalt der Galeria Karstadt Kaufhof Filialen in Frankfurt ein. Hunderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wären von der Schließung betroffen. Darunter viele mit Teilzeitarbeitsplätzen, speziell für Frauen, und Arbeitsplätzen für ältere Menschen. Das Wegbrechen dieser Jobs müssen wir verhindern! Viele Angestellte sind seit Jahrzehnten in den Filialen tätig und sind den Häusern trotz einiger Krisen treu geblieben. Diese Angestellten gehören sozusagen schon zum Inventar. Müssen die Kaufhäuser gehen, müssen auch sie gehen. Was wir für die Angestellten im Fall einer Schließung dringend brauchen, ist ein guter Sozialplan, der sie vor dem Schlimmsten bewahrt.

Heute wird anders eingekauft als gestern

Obwohl die Zeil immer noch eine der meistbesuchten und umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands ist, halten sich die Menschen hier nur kurz zum Einkaufen und Flanieren auf. Die Zeit der großen Kaufhäuser ist vorbei. Der Einzelhandel, nicht nur in den Kaufhäusern, hat Umsatzprobleme. Ein Grund hierfür ist, dass heute anders eingekauft wird als noch gestern: Wir verlagern unseren Einkauf von der Innenstadt einfach direkt ins Wohnzimmer und bestellen immer mehr bequem von zu Hause aus. Ob das tatsächlich zeit- und kostensparender und vor allem effektiver und klimaschonender ist, lasse ich mal unbeantwortet hier stehen… Ein anderer Grund für das veränderte Einkaufsverhalten könnte sein, dass sich viele von uns in der Innenstadt nicht mehr so wohlfühlen – sei es aufgrund von Menschenmassen, Sauberkeit oder Sicherheit. Hier müssen wir nachlegen und dafür sorgen, dass die Menschen wieder gern in Frankfurts Zentrum kommen und sich hier wohlfühlen. Dabei sollten dann die unterschiedlichen Bedürfnisse sowohl aller Besucherinnen und Besucher, als auch der Einzelhändlerinnen und Einzelhändler befriedigt werden.

Urban, pulsierend und innovativ – Nur Einkaufen war gestern

Wie könnte ein Konzept „Einkaufen in der Zukunft“ also aussehen? Wichtig ist, dass Frankfurts Innenstadt und der Einzelhandel so lebendig und vielfältig bleiben, wie die Frankfurterinnen und Frankfurter es selbst sind. Es sollte eine Mischung sein, die die vielen unterschiedlichen Wünsche der Kundinnen und Kunden erfüllt. Nur so hat jede und jeder einen guten Grund, auf der Einkaufsstraße längere Zeit zu verweilen und dort besonders gern einzukaufen. Neben unterschiedlichen Geschäften sind auch Angebote der Gastronomie und kulturelle Angebote wichtig, um die Innenstadt zu beleben. Angst davor, dass eine bunte Mischung für größere Konkurrenz untereinander sorgt, muss niemand haben. Alle profitieren von der Vielfalt der Möglichkeiten, das nennt man Synergieeffekt.

Geschäfte mit kleineren Flächen in der Innenstadt könnten als Ausstellungsräume, sogenannte Showrooms, gedacht werden, die ihre Waren allen Interessierten präsentieren und ihr Lager außerhalb des Stadtbezirks haben und online verwalten. Die Sorge, dass ein hoher Umsatz nur mit teuren, großen Flächen vor Ort zu erreichen ist, ist unbegründet. Denkbar könnte für die Zukunft auch sein, günstigen Wohnraum direkt in der Innenstadt anzusiedeln. Das würde aber auch bedeuten, dass wir uns generell überlegen müssten, wie die Innenstadt neu gestaltet werden müsste. Wie sähe also eine gute Mischung zwischen Geschäften, Wohnhäusern und Eventlocations aus? Wie können wir den öffentlichen Raum für alle attraktiver gestalten? Die Belebung der Innenstadt ist eine komplexe Aufgabe, die uns in Zukunft noch stark beschäftigen wird.

Wir brauchen Konzepte für ein Einkaufen der Zukunft

Um den Einkauf und den Einzelhandel in der Zukunft zu stärken, dürfen wir also nicht nur an den klassischen reinen Einkauf denken, sondern an ein Gesamtkonzept, das viele Einzelheiten mit einbezieht und beachtet. Vielleicht ist das die Chance, unsere Innenstadt vor dem drohenden Ausverkauf und Leerstand zu retten. Warenhäuser sind Pfeiler der Einkaufsstruktur und ihr Wegfall verändert nachhaltig die lebendigen Strukturen der Innenstadt. Deswegen müssen jetzt kreative Lösungen gefunden werden, wie die leerstehenden Gebäude und Flächen – beispielsweise von Karstadt auf der Zeil –  neu genutzt werden können. Was geschieht, wenn sich der Einzelhandel und die Stadt nicht offen gegenüber Veränderungen zeigen, wollen wir uns für unser lebendiges Frankfurt gar nicht erst ausmalen!

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