Alles online – digitaler Datenkonsum in Zeiten der Corona-Krise

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Ihr Stadtverordneter für die Ausschüsse Planen und Bauen, Wirtschaft und Frauen sowie Recht, Verwaltung & Sicherheit.

Es scheint so, als würde momentan ganz Frankfurt stillstehen. Die Straßen, Geschäfte und öffentlichen Plätze sind leer. In vielen Unternehmen sind die Büros nicht besetzt. Wenn wir können, bleiben wir in den eigenen vier Wänden und arbeiten von zu Hause aus. Die Kommunikation mit unseren Freundinnen und Freunden, aber auch mit Arbeitskolleginnen und -kollegen findet jetzt meistens über das Internet statt. Das hat auch Auswirkungen auf die Geschwindigkeit des Internets zu Hause, so dass es in diesen Tagen durchaus sein kann, dass das Internet langsamer ist als sonst. Betroffen davon sind auch die Rechenzentren, die dafür zuständig sind, den kompletten Datenverkehr in den sogenannten Internetknoten abzufangen, zu lenken und zu leiten.

Ein Internetknoten ist wie ein Autobahnkreuz

Ein Internetknoten lässt sich in etwa mit einem großen Autobahnkreuz vergleichen, wie beispielsweise dem Frankfurter Kreuz in der Nähe des Flughafens. Hier treffen die A3, A5 und B43 aufeinander und wir können auf die verschiedenen Straßen in die jeweiligen Richtungen abbiegen. Wenn ein Unfall passiert, staut sich alles zurück und wir kommen nur noch stockend voran. An einem Sonntag ist meistens weniger Verkehr als zu Zeiten des Berufsverkehrs. So ist es auch bei den Internetknoten in den Rechenzentren. In diesen Gebäuden werden die Datenmengen verschiedener Unternehmen und/oder Privatpersonen gespeichert, miteinander verknüpft und weitergeleitet. Ein Rechenzentrum ist also nichts weiter als ein großes Gebäude voll mit Computerservern mit einer hohen Speicherkapazität und leistungsstarken Glasfaserkabeln, welche diese Daten rein- und rausführen. In den Rechenzentren wird gewährleistet, dass es nie zu Staus kommt, wie beispielsweise auf den Autobahnen, aber momentan fließen sehr viel mehr Daten als gewöhnlich durch die Internetknoten.

Fun Fact: Wusstet ihr, dass sich der weltweit größte Internetknoten in Frankfurt befindet? Er heißt DE-CIX.

Der Datenkonsum steigt

Wegen des Ausbruchs des Virus Sars-CoV-2, oder einfach oft nur Corona-Virus genannt, herrschen in vielen Ländern Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote. Auch ich verbringe derzeit mehr Zeit zu Hause als auf der Straße, in der Natur, in Sport- und Kultureinrichtungen, im Restaurant oder auf der Arbeit. Wir arbeiten von zu Hause aus, machen online Sport, reden über Videochats mit unseren Kollegen und Freunden, lesen Zeitungen online, schauen viel mehr Filme auf Streamingdiensten an und verbringen deutlich mehr Zeit in den sozialen Netzwerken wie Facebook. All das schickt ganz viele Daten quer durch die Republik und die ganze Welt. Angeblich ist es dadurch weltweit schon bis zu einer Versechsfachung des Datenverkehrs gekommen.

Was sind Rechenzentren und was geschieht vor Ort?

In Frankfurt gibt es den weltweit größten Internetknoten DE-CIX, durch den diese Daten strömen. Dort werden Datenmengen aus aller Welt empfangen und weitergeleitet. Aufgrund seiner Größe, aber auch aus Sicherheitsgründen, ist der DE-CIX gleich auf mehrere Rechenzentren in Frankfurt aufgeteilt. Fiele er aus, würden die Auswirkungen in weiten Teilen Europas zu spüren sein. Neben der Weiterleitung des Internetverkehrs gehört die Speicherung von Daten – privat und geschäftlich – zu den wichtigsten Aufgaben dieser Rechenzentren. Wer also schon immer mal wissen wollte, wo unsere Daten eigentlich sind, wenn wir sie in der berühmten „Cloud“ abspeichern – ganz einfach: in einem der vielen Rechenzentren! Um die zunehmenden Mengen an auszutauschenden Daten stemmen zu können, benötigen Rechenzentren Platz. Allein in Frankfurt dehnten sich die Rechenzentren im Jahr 2019 bereits auf 600.000 Quadratmeter aus. Das sind von der Fläche gesehen mehr als 84 aneinandergereihte Fußballfelder! Bis 2023 soll sich die Anzahl der in Frankfurt befindlichen Rechenzentren verdoppeln, das wären also mehr als 168 Fußballfelder, die man in Frankfurt unterbringen müsste – schwierig vorstellbar, dass das überhaupt möglich ist. Schon heute gibt es mittlerweile mehr als 40 internationale Rechenzentrumsbetreiber in Frankfurt. Das sind mehr als in jeder anderen Stadt in Deutschland. Letztendlich sind solche Rechenzentren reine Zweckbauten auf großen Flächen, die sich meist in Gewerbegebieten oder in deren Nähe befinden. Und übrigens werden sie bewacht wie ein Hochsicherheitsgefängnis, denn der Schutz der vielen Daten, die dort ein- und ausgehen, ist enorm wichtig.

Rechenzentren: Fluch oder Segen?

Der Rechenzentrumsboom ist leider auch mit verschiedenen Problemen verbunden: Zum einen treiben die Rechenzentren die Grundstückspreise an den jeweiligen Standorten in die Höhe. Die Preise, die pro Quadratmeter Fläche von Betreibern der Rechenzentren gezahlt werden, sind oft so hoch, dass andere Branchen und Unternehmen da nicht mithalten können. Auch wegen der unmittelbaren Nähe zum Internetknoten DE-CIX kommen immer mehr Rechenzentren nach Frankfurt. Es besteht durchaus die Gefahr, dass es dadurch immer weniger Platz für die Frankfurter Industrie und Produktionsstätten in Gewerbegebieten geben wird. Dabei bezahlen Rechenzentren im Gegensatz zu Frankfurt ansässiger Industrie nur wenig Gewerbesteuer. Die ist für unsere Stadt aber eine der wichtigsten Einnahmequellen. Auch wenn die genaue Höhe der Gewerbesteuereinnahmen durch die Rechenzentren aufgrund des Steuergeheimnisses nicht veröffentlicht wird, kann man davon ausgehen, dass dies ein relativ niedriger Betrag ist. Arbeitsplätze gibt es in den Rechenzentren auch nur sehr wenige, zumindest im Vergleich mit sehr vielen anderen Wirtschaftsbranchen.

Dann ist da noch der gigantische Energiebedarf der Rechenzentren, der alleine schon für die notwendige Kühlung der Server gebraucht wird. Ein einzelnes Rechenzentrum benötigt so viel Strom wie eine komplette Kleinstadt! Dieser Strom muss erst einmal erzeugt werden. Neulich las ich irgendwo, eine einzige Google-Anfrage würde 0,3 Wattstunden an Strom verbrauchen. Das klingt erst einmal nach nicht sehr viel. Wenn ich mir aber überlege, wie viele Anfragen ich selbst täglich durchführe und dann das auf mehrere Milliarden Internetnutzer weltweit hochrechne, kann ich mir nur vorstellen, dass dieser Betrag am Ende sehr hoch sein muss.

Ich bin davon überzeugt, dass ein moderner Wirtschaftsstandort, wie Frankfurt, ohne Rechenzentren nicht mehr denkbar ist. Aber ich kann gut verstehen, dass sich manche auch fragen, ob unser digitaler Lebensstil wirklich nur Vorteile mit sich bringt, und ob die vielen neuen Rechenzentren hier nicht vielleicht ebenso viele Probleme schaffen wie sie lösen…

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